Bei der Stuttgarter Fahrbibliothek bringen die beiden Bücherbusse Max und Moritz Lesefreude zu Groß und Klein und haben damit eine treue Fangemeinde gewonnen.
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Wenn der Bus die Bücher bringt.
In Stuttgart wurden zwei Setra S 415 UL zu rollenden Bibliotheken umgebaut.
Kinder für das Lesen begeistern, das gelingt in Stuttgart mit zwei umgebauten Setra S 415 UL, die als rollende Bibliotheken Kitas und Schulen anfahren. Mit ihrem Angebot an Büchern, Zeitschriften und Comics locken sie aber nicht nur die Kleinen in den Bus, sondern Bücherfreunde jeden Alters.
Zwei Setra S 415 UL als Bücherbusse.
„Die Kinder lieben den Bus und wollen immer am liebsten gleich mitfahren“, sagt Stephanie Zeiner, die Leiterin der Fahrbibliothek Stuttgart. Sie hat vor etwa einem Jahr das Steuer bei der Fahrbibliothek übernommen und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn die Bibliothekarin hat selbst den Busführerschein und setzt sich, wenn ihre Fahrer einmal verhindert sind, auch selbst hinter das Steuer der beiden Setra‑Busse der Fahrbibliothek.
In Anlehnung an die bekannten Kinderbücher heißen die beiden Busse der Fahrbibliothek „Max“ und „Moritz“. Es sind zwei Setra S 415 UL, Max ist mit dem Erstzulassungsjahr 2009 etwas älter als der 2013 zugelassene Moritz. Nach ihrem fachmännischen Umbau zu rollenden Büchereien verfügen die beiden Busse über die aktuell übliche Bibliotheks-Zusatz-Ausstattung: Beamer und Leinwand, eine Markise, die Verklebung von Seitenfenster, dazu Dachfenster und natürlich Personalarbeitsplätze und Selbstverbuchungsautomaten zur Ausleihe. An Bord haben die S 415 UL jeweils rund 4.000 bis 4.500 Objekte zum Ausleihen, neben Büchern auch Zeitschriften, Comics und Filme. Bücher sind dabei nicht nur stark nachgefragt, sondern haben auch einen nachgewiesen positiven Einfluss auf die Entwicklung junger Menschen. Studien zeigen, dass Kinder, die regelmäßig Bücher lesen ein deutlich besseres Sprachverständnis entwickeln.
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Kinder finden den Fahrerplatz im Bus besonders faszinierend – da wollen viele gleich selbst ans Steuer.
Stephanie Zeiner, Leiterin der Fahrbibliothek Stuttgart
Für Kinder ist der Bus ein Highlight.
Morgens gegen 8 Uhr verlassen die Busse das Depot der Fahrbibliothek in Stuttgart und stehen dann bei Kitas und Schulen. „Für die meisten Kinder ist der Bus ein Highlight, eine richtige Attraktion. Im Bus als rollender Bibliothek macht das Schmökern gleich doppelt Spaß“, sagt Stephanie Zeiner. „Vor allem Jungs staunen über die Kombi von Technik und Medien. Kinder finden den Fahrerplatz im Bus besonders faszinierend – da wollen viele gleich selbst ans Steuer“, sagt sie lachend.
Bücher auf Tour.
Am Nachmittag werden Haltestellen in den Stadtteilen angefahren, bis zu drei an einem Tag. Max und Moritz fahren die Orte in Stuttgart an, in denen es keine ortsfeste Bibliothek gibt, die Liste reicht von Asemwald über Kaltental und Sillenbuch bis nach Wangen. Max legt dabei rund 7.600 Kilometer im Jahr zurück, Moritz circa 4.000 Kilometer pro Jahr. Unterwegs sind die beiden Setras an fünf Tagen die Woche, dabei beläuft sich die Tagesleistung im Durchschnitt auf rund 40 Kilometer, eine wirklich überschaubare Zahl.
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Die Busse sind ein Ort, an dem die Menschen gern verweilen.
Stephanie Zeiner, Leiterin der Fahrbibliothek Stuttgart
Busse mit einer großen Fangemeinde.
Die Setra‑Busse sind Anlaufstelle für große und kleine Bücherfreunde. So vielfältig wie das Leseangebot in den Bussen ist auch das Publikum: Eltern mit ihren Kindern, eine Kinderbuchautorin, die als Kind selbst zum Bücherbus ging und heute für ihre Recherchen Inspiration im Angebot von Bücherbus „Max“ findet und die ältere Dame, die nicht mehr so gut zu Fuß ist und voller Begeisterung sagt: „Ich bin so froh, dass ich den Bücherbus habe.“
Mit Max und Moritz gelingt es, die Kinder und Erwachsenen da abzuholen, wo sie sind: in den Kitas, in den Schulen und den Stadtteilen. Die Einrichtung der Bücherbusse gibt es in Stuttgart bereits seit 1971 und so ist eine sehr enge Bindung zwischen Stammkundschaft und dem Team der Fahrbibliothek entstanden und die Setra‑Busse Max und Moritz gehören hier längst fest zur Familie. Das mobile Bücherangebot fördert Kinder in ihrer sprachlichen, sozialen und kognitiven Entwicklung, betont Stephanie Zeiner und ergänzt: „Die Busse sind ein Ort, an dem die Menschen gern verweilen und das soll auch weiterhin so sein.“